Schwestern und Brüder,
stellen Sie sich eine Eiswand vor, über 8.000 Meter über dem Meeresspiegel. Die Luft ist so dünn, dass jeder Atemzug brennt. Es ist die sogenannte „Todeszone“ des K2, des zweithöchsten und gefährlichsten Berges der Welt. Es ist dunkel. Die Scheinwerfer von Dutzenden Bergsteigern bilden eine leuchtende Kette im Eis. Sie alle haben ein einziges, absolut dominierendes Ziel vor Augen: den Gipfel. Den Triumph. Den Rekord. Dafür haben sie jahrelang trainiert, dafür haben sie zehntausende Euro bezahlt. Und mitten in dieser Kette aus Ehrgeiz liegt am 27. Juli 2023 ein Mann im Schnee. Muhammad Hassan. Ein junger pakistanischer Träger, schlecht ausgerüstet, abgestürzt, schwer verletzt. Er lebt noch. Er atmet noch. Und was passiert? Mensch um Mensch, Stiefel um Stiefel steigt an ihm vorbei. Sie steigen über ihn hinweg, treten ihm auf die Hand. Sie blicken kurz nach unten und setzen ihren Fuß auf die nächste Eisstufe. Der Gipfel ruft. Das eigene Ziel ist wichtiger als das sterbende Leben zu ihren Füßen. Ja, so war das vor drei Jahren wirklich gewesen. Ein Kamerateam hat mitgefilmt – und die Bilder gingen um die Welt. Erst fast ein Jahr später wurde Muhammad Hassan geborgen.
Schwestern und Brüder,
sicher ein extremes Beispiel für Gleichgültigkeit und Herzenskälte. Die eigene Mission – wichtiger als das Leben eines Sherpas. Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit. Das ist da am K2 sehr sehr anschaulich geworden. Aber Grund, uns genüsslich zurückzulehnen und uns über die Bergsteiger da zu erheben haben wir nicht. Nicht zuletzt der Apostel Paulus wusste, was da im Menschen ist. Sonst hätte er heute nicht so mahnende Worte an uns gerichtet: „Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe!“ Das ist mehr als klar. Und mit Liebe ist hier nicht Gefühl und Emotion gemeint sondern eine Willensentscheidung. Als Christ/Als Christin kann und muss ich nicht alle mögen. Es gibt die Menschen, über die ich mich geärgert habe. Es gibt sie, die mir auf den Geist gehen. Es gibt sie, die mich tief verletzt haben. Aber ich muss sie alle lieben, so schwer das manchmal auch ist. Wohlgemerkt: Ich muss ihnen nicht um den Hals fallen, aber ich muss ihnen weiter begegnen, sie als Boten Gottes an mich sehen, sie in mein Abendgebet einschließen. Paulus gibt uns das mit, und Jesus hat uns das vorgelebt bis zu seinem letzten Atemzug am Kreuz. Und wir als seine Gemeinde sind auch da in seine Nachfolge gerufen.
Was da am K2 geschah, geschieht dennoch immer wieder. Nur merken wir es nicht, weil wir uns daran gewöhnt haben. Unser westlicher Lebensstil, unser Gipfelsturm, lässt in den Ländern des Südens Menschen in der Todeszone der Gier zurück. Den meisten von uns ist das klar. Und doch ist Veränderung so schwer. Auch das übrigens eine urchristliche Erfahrung: Wie gehe ich um mit dem Bruder/der Schwester in Christus, wenn er oder sie schuldig wird? Darauf gab das Evangelium Antwort. Gespräch unter vier Augen, Gespräch unter Zeugen, Gespräch mit der ganzen Gemeinde, Ausschluss. Diese Stufen der Eskalation werden hier genannt. Alles, um einen Menschen zurückzugewinnen. Selbst der Ausschluss dient zu diesem Zweck. Eine Frau hat mir einmal erzählt, dass sie von ihrem betrunkenen Mann oft geschlagen werde. Alle rieten hier: Verlass ihn doch. Sie aber konnte nicht, weil sie ihn doch liebte. Dabei ist doch klar: Sie muss da raus. Liebe hin oder her, darum geht es nicht. Das Zeichen muss gesetzt werden: So nicht! Wenn Du dich änderst, finden wir vielleicht wieder zusammen. Gewalt, auch in christlichen Familien, ist gar nicht so selten, schauen wir auf die feinen Zeichen, denn wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen. Amen
Lesungstexte
Die Lesungstexte finden Sie hier.
Predigt zum 23. Sonntag im Jahreskreis
von Pfarrer Markus Fiedler
Gottesdienstzeiten
Heilige Messen in den Pfarreien Postbauer-Heng und Seligenporten
2026: In den Monaten Jan., März, Mai., Juli, Aug., Okt., Dez. ist in St. Elisabeth sonntags um 10.30 Uhr Gottesdienst. In Seligenporten ist in diesen Monaten um 9.00 Uhr Gottesdienst. In den Monaten Feb., April, Juni, Sept., Nov. hingegen feiern wir in Postbauer-Heng um 9.00 Uhr Eucharistie, während in Seligenporten die hl. Messe um 10.30 Uhr beginnt.
2027: In den Monaten Jan., März, Mai, Juli, Aug., Okt., Dez. ist in St. Elisabeth sonntags um 9.00 Uhr Gottesdienst und in Seligenporten um 10.30 Uhr. In den Monaten Feb., April, Juni, Sept., Nov. hingegen feiern wir in Postbauer-Heng um 10.30 Eucharistie und in Seligenporten um 9.00 Uhr.
Öffnungszeiten Pfarrbüro
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